BP verkauft Gelsenkirchener Raffinerie und kürzt Milliardenkosten bis 2027
Lotta MüllerBP verkauft Gelsenkirchener Raffinerie und kürzt Milliardenkosten bis 2027
BP treibt tiefgreifende Umstrukturierung voran – trotz Ölbörsenboom und wachsendem Finanzdruck
Während die Ölpreise in die Höhe schnellen und die finanziellen Belastungen zunehmen, setzt der britische Energiekonzern BP auf radikale Veränderungen. Die Aktie des Unternehmens hat in diesem Jahr deutlich zugelegt und schloss am Freitag bei 6,45 Euro – ein Plus von über 27 Prozent seit Januar. Dennoch kämpft BP weiterhin mit langfristigen Problemen: Der Börsenwert schrumpfte von rund 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf etwa 85 Milliarden US-Dollar bis März 2026 und liegt damit deutlich hinter Konkurrenten wie Shell und ExxonMobil zurück.
Nun verkauft BP seine Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group und entledigt sich damit von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten. Gleichzeitig wechseln rund 1.800 Mitarbeiter zum neuen Eigentümer. Die Veräußerung der Anlage, die jährlich bis zu 12 Millionen Tonnen verarbeiten kann, ist der jüngste Schritt des Konzerns, um seine Geschäfte zu straffen. Analysten der HSBC reagierten mit einer Hochstufung der BP-Aktie von "Reduce" auf "Hold" und hoben das Kursziel an – als Zeichen der Entlastung durch den Deal.
Arbeitskonflikt in den USA eskaliert Parallel verschärfen sich die Spannungen mit Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten. Nach dem Scheitern von Tarifverhandlungen sperrte BP rund 800 Gewerkschaftsmitglieder aus der Whiting-Raffinerie im Bundesstaat Indiana aus. Der Streit belastet die Betriebsabläufe zusätzlich, während der Konzern ohnehin mit branchenweiten Umbrüchen kämpft.
Massive Kostensenkungen bis 2027 geplant BP verschärft zudem seine Sparmaßnahmen: Bis 2027 sollen die strukturellen Ausgaben um 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar – etwa 30 Prozent des Niveaus von 2023 – gekürzt werden. Der Sparkurs fällt in eine Phase hoher Ölpreise: Die Nordsee-Sorte Brent notiert bei 112 US-Dollar pro Barrel, angetrieben durch Blockaden in der Straße von Hormus. Um die Lieferketten zu entlasten, lockerte die US-Regierung vorübergehend die Schutzklauseln des Jones Act und erlaubte für 60 Tage flexiblere Schiffsrouten.
Strategische Fehltritte der Vergangenheit belasten die Bilanz Die Probleme des Konzerns reichen Jahre zurück. Seit 2020 kollidiert BP mit seiner ehrgeizigen Wende zu erneuerbaren Energien mit den schwankenden Ölmärkten und geopolitischen Krisen. Während Wettbewerber wie Shell und ExxonMobil auf lukrative Öl- und Gasprojekte setzten, bremste BP die langsame Anpassung und die Belastungen durch die Energiekrise von 2022 bis 2025 die Performance.
Zwischen Stabilisierung und Energiewende: BP sucht den richtigen Kurs Mit dem Verkauf der Gelsenkirchener Raffinerie und dem radikalen Sparkurs will BP seine Finanzen inmitten hoher Ölpreise und wachsender Investorenkritik konsolidieren. Zwar hat sich die Aktie 2026 erholt, doch die Marktposition bleibt schwächer als die der wichtigsten Konkurrenten. Angesichts der Arbeitskonflikte in den USA und der anhaltenden Restrukturierung hängt der weitere Weg davon ab, ob es dem Konzern gelingt, kurzfristige Gewinne mit langfristigen Plänen für die Energiewende in Einklang zu bringen.






