Europas Autoindustrie im freien Fall – während China und die Türkei boomen
Jonas GüntherEuropas Autoindustrie im freien Fall – während China und die Türkei boomen
Europas Autoindustrie durchlebt tiefgreifende Umbrüche
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Automobilbranche in Europa grundlegend gewandelt. Während die Produktion in Schlüsselländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien stark zurückgegangen ist, haben die Türkei und Marokko ihre Kapazitäten deutlich ausgebaut. Gleichzeitig dominiert China mittlerweile die globale Fahrzeugproduktion – europäische Hersteller verlieren zunehmend an Marktanteilen.
2024 fertigten die Automobilhersteller in der EU und in Großbritannien rund 12,5 Millionen Fahrzeuge – fast 4 Millionen weniger als noch 2015. Deutschland, einst Europas führender Produzent, verzeichnete einen Rückgang um 29 Prozent: von 5,7 Millionen Autos im Jahr 2015 auf nur noch 4 Millionen im vergangenen Jahr. Auch der deutsche Anteil an der europäischen Gesamtproduktion sank von 39 auf 34,6 Prozent. Noch dramatischer fällt der Einbruch in Großbritannien aus, wo die Produktion seit dem Jahr 2000 um 53 Prozent schrumpfte. Frankreich und Italien verzeichneten sogar noch stärkere Rückgänge von 68 beziehungsweise 78 Prozent.
Auch global verliert Europa an Einfluss. Der kontinentale Anteil an der weltweiten Automobilproduktion halbierte sich seit der Jahrtausendwende von 36 auf nur noch 18,5 Prozent im Jahr 2024. China hingegen steigerte seine Produktion zwischen 2015 und 2024 um 30 Prozent und erreichte im vergangenen Jahr 27,48 Millionen Fahrzeuge. Deutschland bleibt zwar eine Führungsmacht bei Elektroautos und belegt global Platz zwei hinter China, doch rund 30 Prozent der hier gefertigten Fahrzeuge werden mittlerweile außerhalb Europas exportiert.
Einige Länder schwimmen gegen den Strom: Die Türkei und Marokko steigerten ihre Produktionskapazitäten jeweils um 50 Prozent und stellten 2024 gemeinsam etwa 1,5 Millionen Fahrzeuge her. Auch die Tschechische Republik kletterte in der Rangliste nach oben und ist mittlerweile drittgrößter Automobilproduzent Europas – nach Spanien und Deutschland.
Um den Abwärtstrend zu bremsen, hat Deutschland Gegenmaßnahmen eingeleitet. Seit 2020 fördert die Bundesregierung den Umstieg auf Elektrofahrzeuge mit verlängerten Subventionen, stellt von 2027 bis 2030 insgesamt 7,6 Milliarden Euro für Investitionen in die Dekarbonisierung bereit und lockert die Finanzierungsregeln für die Weiterbildung von Beschäftigten. Diese Schritte sollen den Wandel hin zu einer klimaneutralen Produktion beschleunigen.
Die Zahlen spiegeln einen tiefgreifenden Strukturwandel wider: Während traditionelle europäische Autokonzern mit sinkenden Produktionszahlen kämpfen, wachsen neue Standorte wie die Türkei und Marokko. Deutschlands Fokus auf Elektromobilität und staatliche Fördergelder könnten helfen, die Position zu stabilisieren – doch Chinas Vormachtstellung in der globalen Fahrzeugproduktion zeigt keine Anzeichen einer Schwächung.






