"Fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie Obdachlosenmagazine in der Krise innovativ werden
Ida König"Fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie Obdachlosenmagazine in der Krise innovativ werden
Fiftyfifty, ein Magazin, das in Düsseldorf von obdachlosen Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet seit einem Jahrzehnt einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die monatliche Auflage ist von 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 gesunken. Dieser Schwund spiegelt nicht nur die allgemeinen Schwierigkeiten der Printmedien wider, sondern auch eine wachsende Ablehnung gegenüber den Verkäufer:innen wider – viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Magazin eine unverzichtbare Überlebenshilfe für Menschen ohne Wohnsitz. Es bietet nicht nur ein Einkommen, sondern auch ein Gefühl von Zugehörigkeit und Würde für diejenigen, die es verkaufen.
Seit seiner Gründung ist Fiftyfifty weit mehr als nur eine Zeitschrift. Es fungiert als Sprachrohr, deckt Ungerechtigkeiten auf und kämpft gegen die Diskriminierung von Obdachlosen. Durch seine Präsenz hält das Magazin das Thema Obdachlosigkeit in der öffentlichen Diskussion und schafft direkte Verbindungen zwischen Verkäufer:innen, Leser:innen und der Gesellschaft.
Um sich den veränderten Zeiten anzupassen, erscheint Fiftyfifty mittlerweile sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form. Die Online-Ausgabe fiftyfifty-ObdachLOS funktioniert wie eine Loskarte: Verkäufer:innen können durch den Online-Verkauf Geld verdienen. Diese Innovation mildert zumindest teilweise die Verluste durch sinkende Printauflagen ab.
Der Preis des Magazins wurde kürzlich auf 3,40 Euro erhöht, um die gestiegenen Kosten zu decken – bleibt aber erschwinglich, günstiger als ein ÖPNV-Ticket oder ein Kaffee. Finanziert wird das Projekt zudem durch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, die Werke bekannter Künstler:innen verkauft. Mit diesen Einnahmen werden wichtige Initiativen unterstützt, darunter Straßenhilfe, tierärztliche Versorgung für herrenlose Hunde und Wohnprojekte.
Die Schwierigkeiten von Fiftyfifty sind kein Einzelfall. Mindestens fünf weitere deutsche Straßenzeitungen, darunter die Berliner Straßenzeitung und das Münchner Straßenmagazin, verzeichnen seit 2015 einen Rückgang der Verkaufszahlen um 40 bis 60 Prozent. Um zu überleben, haben sie hybride Abonnements eingeführt, Crowdfunding-Kampagnen gestartet und Kooperationen mit Spendenplattformen wie Steady geschlossen. Einige erweitern ihr Angebot sogar um Merchandising-Artikel und Veranstaltungen, um neue Einnahmequellen zu erschließen.
Der anhaltende Verkaufsrückgang gefährdet die Zukunft von Fiftyfifty und ähnlichen Projekten in ganz Deutschland. Ohne das Magazin könnten lebenswichtige Unterstützungsstrukturen für Obdachlose wegbrechen. Noch hält sich das Blatt mit einer Mischung aus Engagement, Bezahlbarkeit und Innovation über Wasser – doch die Zukunft bleibt ungewiss.