Junge Menschen wenden sich zunehmend von der Demokratie ab – Studie zeigt alarmierende Trends
Lotta MüllerJunge Menschen wenden sich zunehmend von der Demokratie ab – Studie zeigt alarmierende Trends
Die Unterstützung für die Demokratie unter jungen Menschen geht einer neuen Studie aus Nordrhein-Westfalen zufolge dramatisch zurück. Nur noch 47 Prozent der 14- bis 18-Jährigen geben an, mit der Funktionsweise der Demokratie zufrieden zu sein. Expertinnen und Experten warnen, dass Online-Einflüsse und extremistische Botschaften eine zentrale Rolle bei der Prägung dieser Einstellungen spielen.
Der Bericht identifiziert drei deutlich unterscheidbare Gruppen in der Bevölkerung: "überzeugte Demokraten", "fragile Demokraten" und "Demokratiegegner". Die beiden letzteren Kategorien setzen sich überproportional aus jüngeren und weniger gebildeten Menschen zusammen. Besonders bei den Unter-45-Jährigen ist die Zustimmung zur Demokratie deutlich gesunken – am stärksten in der Altersgruppe der 19- bis 29-Jährigen.
Undemokratische Ansichten verbreiten sich zusehends: Fast die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage zu, die Gesellschaft brauche eine starke Einzelpartei, um den Willen des Volkes zu vertreten. Bundesbildungsministerin Karin Prien zeigt sich besorgt über die Konfrontation junger Menschen mit Frauenfeindlichkeit, Gewalt und Extremismus in digitalen Räumen. Soziale Medien, Chatgruppen und Gaming-Communities haben sich zu zentralen Plattformen für eine rasche Radikalisierung entwickelt.
Die Studie unterstreicht den dringenden Bedarf an einer Stärkung der politischen Bildung in Schulen. Traditionelle Lehrmethoden kommen angesichts des digitalen Extremismus zunehmend an ihre Grenzen. Zwar zeigt das bundesweite MOTRA-Monitoring einen leichten Rückgang antidemokratischer Haltungen – von 16,1 Prozent im Jahr 2023 auf 14,4 Prozent 2025 –, doch betonen die Forscherinnen und Forscher einen klaren Zusammenhang zwischen persönlicher Lebenszufriedenheit und demokratischer Gesinnung: Wer mit seinem Leben zufrieden ist, unterstützt demokratische Prozesse tendenziell stärker.
Die Ergebnisse deuten auf eine wachsende Spaltung in den demokratischen Werten hin, insbesondere bei den jüngeren Generationen. Schulen und Politik stehen vor der Herausforderung, die politische Bildung auszubauen, um der Online-Radikalisierung entgegenzuwirken. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen könnte der Rückgang der Demokratiezufriedenheit und der Aufstieg extremistischer Ansichten anhalten.






