Pflege zu Hause kostet Familien tausende Euro mehr als Heime – trotz Präferenz für ambulante Betreuung
Jonas GüntherPflege zu Hause kostet Familien tausende Euro mehr als Heime – trotz Präferenz für ambulante Betreuung
In Deutschland sind die meisten pflegebedürftigen Menschen auf Unterstützung im eigenen Zuhause angewiesen – und nicht auf stationäre Einrichtungen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass nur 14,1 Prozent dauerhaft in Pflegeheimen leben, während 85,9 Prozent zu Hause versorgt werden. Doch trotz dieser klaren Präferenz tragen diejenigen, die ambulant betreut werden, oft deutlich höhere finanzielle Belastungen als Bewohner in stationären Einrichtungen.
Nach deutschem Recht gilt der Grundsatz "ambulant vor stationär", der Pflegebedürftigen die Wahl lässt, wo und wie sie Unterstützung erhalten. Die Möglichkeiten reichen von professioneller Pflege zu Hause über die Betreuung durch Angehörige bis hin zu einer Kombination aus beidem. Mehr als die Hälfte – 54,5 Prozent – ist ausschließlich auf Familienmitglieder angewiesen, die im Schnitt 49 Stunden pro Woche Pflege leisten. Bei jedem Vierten steigt dieser Aufwand auf mindestens 57 Stunden an.
Doch die finanzielle Belastung für die häusliche Pflege ist enorm. Die Eigenanteile liegen zwischen 340 und 7.441 Euro im Monat, der Median beträgt 2.085 Euro. Bei den höchsten Pflegegraden können die persönlichen Zuschüsse sogar über 7.000 Euro betragen. Zum Vergleich: Heimbewohner zahlten 2024 im Durchschnitt 2.814 Euro monatlich – nach 2.660 Euro im Jahr 2023 und 2.196 Euro im Jahr 2022. Im Januar 2026 stiegen diese Kosten weiter und überstiegen die Marke von 3.200 Euro.
Der Bundesverband wir pflegen e.V., der die Interessen von pflegenden Angehörigen vertritt, kritisiert die Diskrepanz als ein "skandalöses Ungleichgewicht". Zwar bleibt die häusliche Pflege für die meisten die bevorzugte Lösung, doch die finanziellen und praktischen Herausforderungen nehmen weiter zu.
Die Kluft zwischen den Kosten für ambulante und stationäre Pflege bleibt eklatant. Da der Großteil der Pflegebedürftigen auf die Unterstützung durch Familienmitglieder angewiesen ist, lastet ein erheblicher finanzieller Druck auf den Haushalten. Gleichzeitig unterstreichen die steigenden Gebühren in Pflegeheimen die Dringlichkeit politischer Anpassungen, um Bezahlbarkeit und Wahlfreiheit in der Langzeitpflege in Einklang zu bringen.






