Solingens vergessene Heldinnen: Die Liewerfrauen kehren ins Rampenlicht zurück
Jonas GüntherSolingens vergessene Heldinnen: Die Liewerfrauen kehren ins Rampenlicht zurück
Neue Ausstellung in Solingen würdigt die oft vergessenen Liewerfrauen
Eine neue Ausstellung in Solingen rückt die häufig übersehene Geschichte der Liewerfrauen ins Licht – jener Frauen, die einst schwere Körbe mit Scherenteilen und Messerklingen über die steilen Hügel der Stadt trugen. In dem historischen Lieferkontor nahe der Innenstadt zeigt die Schau ihren Alltagskampf und die Rolle, die sie in Solingens industrieller Vergangenheit spielten. Nun laufen Bestrebungen, die Stätte für Besucher zugänglicher zu gestalten: Geplante längere Öffnungszeiten und Führungen sollen in den kommenden Monaten umgesetzt werden.
Die Liewerfrauen waren ein einzigartiger Teil der Solinger Arbeitswelt. Sie transportierten Waren in Körben durch ganz Europa, bis die Industrialisierung ihre Arbeit im 19. Jahrhundert weitgehend überflüssig machte. Anders als in den meisten Regionen hielt sich die Tradition in Solingen, wo das unwegsame Gelände ihre Dienste unverzichtbar machte. Das Lieferkontor, einst eine Auslieferungsstelle, beherbergt heute eine Ausstellung, die sich ihrer Geschichte widmet.
Um diese Vergangenheit einem breiteren Publikum näherzubringen, setzen sich Stadt und Förderverein für regelmäßigere Öffnungen ein. Ab 2026 wird das Lieferkontor an fünf Terminen jeweils von 10:00 bis 14:00 Uhr seine Türen öffnen. Langfristig soll der Standort jeden ersten Sonntag von April bis Oktober zugänglich sein – bei ausreichend ehrenamtlicher Unterstützung sind zusätzliche Termine denkbar. Fachwissen ist nicht erforderlich, nur Interesse an Solingens industriellem Erbe.
Der ortskundige Führer Lutz Peters leitet in diesem Jahr vier weitere sonntägliche Öffnungen von 11:00 bis 13:00 Uhr. Zudem ist für den 19. April um 13:00 Uhr eine geführte Wanderung auf dem Liewerfrauenweg geplant, die am Gründerzentrum beginnt und einen Teil der historischen Route bis nach Wipperkotten nachzeichnet. Die Initiative ist Teil umfassender Pläne, den Tourismus in der Wanderaison von März bis Oktober zu stärken.
Das Industrie-Museum Solingen betreibt derzeit nur zwei Standorte: das Lieferkontor und die Hendrichs-Fallfabrik, eine ehemalige Schmiede. Weitere Stätten sind nicht aufgelistet, sodass der Fokus auf diesen zentralen Zeugnissen der städtischen Industriegeschichte liegt.
Die erweiterten Öffnungszeiten und Führungen bieten Besuchern mehr Gelegenheiten, Solingens industrielles Erbe zu erkunden. Mit der Liewerfrauen-Ausstellung als Herzstück soll das Lieferkontor zu einem regelmäßigen Ziel für Einheimische und Touristen werden. Der Erfolg dieser Pläne hängt nun vom Engagement der Gemeinschaft und der Bereitschaft von Freiwilligen ab, den Betrieb aufrechtzuerhalten.






