16 March 2026, 12:25

Über 1.100 Prominente verteidigen künstlerische Freiheit in hitziger Debatte

Eine Wand mit gro├čen, schwarzen Graffiti, das "Freiheit und Demokratie" liest, in einem Raum, mit einem Gel├Ąnder unten und einem Geb├Ąude mit Fenstern im Hintergrund.

Offener Brief warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Über 1.100 Prominente verteidigen künstlerische Freiheit in hitziger Debatte

Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturfachleute haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die künstlerische und akademische Freiheit in Deutschland verteidigen. Die Stellungnahme erfolgt im Zuge einer hitzigen Debatte um eine Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif an der Kunstakademie Düsseldorf. Kritiker:innen hatten der Künstlerin Antisemitismus vorgeworfen, was zu Forderungen nach der Absage ihres Auftritts und sogar nach dem Rücktritt der Rektorin führte.

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Der Streit begann im Januar 2026, als al-Sharif zu einem Vortrag an die Düsseldorfer Kunstakademie eingeladen wurde. Zionistische Gruppen und jüdische Akademiker:innen protestierten und warfen ihr vor, ihre Arbeiten seien antisemitisch. Die Akademie reagierte, indem sie die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen auf ein internes Publikum beschränkte – al-Sharifs Vortrag und Filmvorführungen fanden jedoch wie geplant statt.

Eine spätere juristische Prüfung bestätigte, dass ihre Äußerungen nicht strafrechtlich relevant seien und unter den Schutz der Meinungsfreiheit fielen. Dennoch hielten mediale und politische Kampagnen gegen die Veranstaltung bis in den Februar und März hinein an. Eine Petition, unterzeichnet von über 700 Personen – darunter Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Oded Horowitz, und der Antisemitismus-Beauftragte Wolfgang Rolshoven –, forderte den Rücktritt der Rektorin Donatella Fioretti. Diese lehnte ab und betonte das Recht der Akademie, auch umstrittene Stimmen zu Wort kommen zu lassen.

Der offene Brief, unterzeichnet von prominenten Persönlichkeiten wie dem Fotografen Wolfgang Tillmans und den Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser, verurteilt den politischen Druck auf Fioretti. Die Unterzeichnenden warnen, dass solche Einmischungen ein gefährliches Präzedenzfall für akademische und künstlerische Einrichtungen schaffen könnten. Zudem kritisieren sie eine Metapher, die im Wissenschaftsausschuss des Landtages verwendet wurde – ursprünglich von der rechtspopulistischen AfD eingebracht –, die künstlerische Freiheit als "Deckmantel" für problematische Ansichten bezeichnete.

Am Mittwoch wird Fioretti vor einer Sondersitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtages aussagen. Die Autor:innen des Briefes fordern die Abgeordneten auf, sich erneut zu Artikel 5 des Grundgesetzes zu bekennen, der die Freiheit der Meinungsäußerung, der Kunst und der Wissenschaft schützt – selbst dann, wenn die geäußerten Ansichten unpopulär sind.

Die Debatte hat die Spannungen zwischen dem Schutz der Meinungsfreiheit und Antisemitismusvorwürfen in kulturellen Institutionen deutlich gemacht. Zwar beharrte die Akademie auf ihrer Autonomie, doch der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen nach politischem Einfluss auf Universitäten und die Kunst auf. Fiorettis anstehende Anhörung wird die Diskussion voraussichtlich in den kommenden Wochen weiter in den Fokus rücken.

Quelle