Warendorf behält umstrittene Straßennamen trotz NS-Vergangenheit bei
Jonas GüntherWarendorf behält umstrittene Straßennamen trotz NS-Vergangenheit bei
Der Stadtrat von Warendorf hat beschlossen, die Namen von drei umstrittenen Straßen beizubehalten – trotz der Empfehlung eines Bürgergremiums, sie umzubenennen. Die Entscheidung folgt auf eine Debatte über historische Verbindungen zur NS-Zeit sowie Bedenken hinsichtlich der Kosten für neue Straßenschilder. Zwei der Straßen ehren Persönlichkeiten, die in den 1930er- und 1940er-Jahren mit dem Regime in Verbindung standen.
Die betroffenen Straßen – Wagenfeldstraße, Agnes-Miegel-Weg und Heinrich-Tenhumberg-Straße – werden ihre aktuellen Namen behalten. Als Hauptgründe für die Ablehnung einer Umbenennung nannten die Ratsmitglieder Haushaltszwänge und die Meinung der lokalen Bevölkerung.
Der Streit hatte begonnen, als ein Bürgerbündnis den Rat aufforderte, die Straßennamen zu ändern, mit der Begründung, die Namensgeber hätten Verbindungen zu Institutionen der NS-Zeit. Zwei der drei Personen – Agnes Miegel und Heinrich Tenhumberg – waren während des Dritten Reiches in Politik, Verwaltung oder Militär tätig. Auch die Wagenfeldstraße geriet in die Kritik.
Während der Diskussionen gab es Kompromissvorschläge, darunter die Idee, ein erläuterndes Zitat des Warendorfer Autors Paul Schallück auf den Schildern anzubringen. Diese Anregungen wurden jedoch verworfen. Der Rat schätzte, dass allein der Austausch der Straßenschilder rund 5.700 Euro kosten würde – eine Summe, die als nicht tragbar eingestuft wurde.
Reinhold Schoppmann, Vertreter des Bürgerbündnisses, kritisierte das Ergebnis scharf. Er argumentierte, die historische Verantwortung müsse Vorrang vor finanziellen Erwägungen haben. Daraufhin verteidigte der Ratsherr André Wenning die Entscheidung und betonte, man habe die Haltung der Anwohner in den Vordergrund gestellt.
Neben den Straßennamen bleibt auch eine Tafel mit einem Zitat von Agnes Miegel am Rathaus erhalten. Mit der Abstimmung des Rates ist vorerst keine weitere Maßnahme zu dem Thema geplant.
Die Straßennamen bleiben damit unverändert, und die Kosten von 5.700 Euro für neue Schilder entfallen. Die Präferenzen der lokalen Bevölkerung waren für die Begründung des Rates entscheidend, während die Gedenktafel am Rathaus bestehen bleibt. Zusätzliche Maßnahmen wie erläuternde Hinweise oder Zitate werden nicht eingeführt.






