Warum das Vertrauen in die Demokratie bei vielen Bürgern bröckelt – und wer davon profitiert
Tobias FischerWarum das Vertrauen in die Demokratie bei vielen Bürgern bröckelt – und wer davon profitiert
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Vertrauen in die Demokratie bei bestimmten Bevölkerungsgruppen schwindet. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie sich Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen, Gerichten, der Wissenschaft und den Medien ausbreitet. Seine Erkenntnisse helfen zu erklären, warum populistische Bewegungen und Parteien wie die rechtsextreme AfD in Deutschland zunehmend Zuspruch erhalten.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, argumentiert, dass Misstrauen selten isoliert bleibt. Stattdessen verbinden sich Menschen, die etablierte Institutionen infrage stellen, oft mit Gleichgesinnten, die ähnliche Zweifel hegen. Digitale Plattformen erleichtern es diesen Gruppen, sich zu vernetzen, zu organisieren und ihre Überzeugungen gegenseitig zu verstärken.
Seine Studien zeigen, dass solche Kreise nicht pauschal jede Autorität ablehnen. Vielmehr verlagern sie ihr Vertrauen auf Führungspersönlichkeiten und Parteien, die sich gegen die liberale Demokratie stellen. Populistische Strategen, so El-Mafaalani, untergraben gezielt das Vertrauen in bestehende Systeme und machen alternative Bewegungen damit attraktiver.
Der Soziologe widerspricht auch der Annahme, dass die Bloßstellung der Inkompetenz der AfD deren Wähler zurückgewinnen werde. Laut seiner Analyse reicht es nicht aus, rechtsextreme Behauptungen zu widerlegen, um das Vertrauen in demokratische Institutionen wiederherzustellen. Seine Arbeit liefert eine präzisere Erklärung dafür, warum Figuren wie Donald Trump oder die AfD an Einfluss gewinnen – und zeigt Wege auf, wie man ihrer Wirkung wirksamer begegnen kann.
El-Mafaalanis Studie beleuchtet, wie sich Misstrauen in Netzwerken verbreitet und verfestigt. Gleichzeitig deutet sie mögliche Strategien an, um dem Aufstieg des Rechtspopulismus entgegenzuwirken. Das Buch bietet einen analytischen Rahmen, um zu verstehen, warum traditionelle demokratische Argumente skeptische Wähler oft nicht überzeugen.






