Warum platonische Küsse unter Freunden heute völlig normal sind
Ein einfacher Kuss auf die Wange oder die Lippen unter Freunden ist in der westlichen Popkultur in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger geworden. Was in den 1980er- und 1990er-Jahren noch als ungewöhnlich oder übertrieben zärtlich galt, wird heute weitestgehend akzeptiert – ja sogar gefeiert. Europäische Gepflogenheiten, das Verhalten von Prominenten und ein wachsendes Bewusstsein für emotionale Offenheit haben diesen Wandel maßgeblich geprägt.
Aktuelle Beispiele zeigen, wie selbstverständlich solche Gesten mittlerweile sind. Bei der Premiere von Jurassic World: Rebirth küssten sich Scarlett Johansson und Jonathan Bailey auf dem roten Teppich. Bailey verteidigte den Moment später mit den Worten: "Das Leben ist zu kurz, um Liebe nicht auf verschiedene Arten zu zeigen." Johannssons Ehemann, Colin Jost, sah darin offenbar kein Problem und wies jeden Gedanken an Eifersucht zurück.
Auch die Moderatorin Cat Deeley sprach offen über ihre "Freundinnen-Küsse" mit engen Vertrauten und bezeichnete sie als ein Ritual der Verbundenheit. In einem Social-Media-Beitrag küsste sie ihre beste Freundin Charlie Brear zum Geburtstag auf den Mund. Andere wie Hannah Waddingham, Gigi Hadid oder Madonna zeigten ebenfalls platonische Küsse mit Freunden in der Öffentlichkeit.
Experten betonen, dass es sich dabei nicht einfach um einen modernen Trend handelt. Die Kommunikationsberaterin Judi James beschreibt solche Küsse als ein urtümliches Verbundenheitsritual, das tief in der menschlichen Natur verwurzelt ist. Selbst Tiere, darunter Primaten, nutzen ähnliche Gesten, um soziale Bindungen zu stärken. Es gehe weniger um Romantik als vielmehr darum, enge, vertrauensvolle Beziehungen stolz zur Schau zu stellen.
Platonische Küsse unter Freunden sind inzwischen fester Bestandteil von Medien, Social-Media-Posts und öffentlichen Veranstaltungen. Der Wandel spiegelt einen größeren kulturellen Umschwung wider, bei dem emotionale Ausdrucksformen und tiefe Freundschaften offener gelebt werden. Was einst selten war, gilt heute als anerkannte – und oft sogar ermutigte – Art, Verbundenheit zu feiern.






