Wie das ZDF Magazin Royale einen Rechtspopulisten unfreiwillig zum YouTube-Star machte
Tobias FischerWie das ZDF Magazin Royale einen Rechtspopulisten unfreiwillig zum YouTube-Star machte
Ein investigativer Beitrag des ZDF Magazin Royale aus dem Jahr 2023 über einen rechtspopulistischen YouTuber hat für Kontroversen und unerwartete Folgen gesorgt. Die von Jan Böhmermann moderierte Sendung wollte die Person hinter dem Kanal Clownswelt entlarven – doch stattdessen löste sie einen massiven Popularitätsschub aus. Seit der Ausstrahlung stieg die Abonnentenzahl des Kanals von etwa 50.000 auf über 384.000 im Mai 2025 an.
Der im Oktober 2023 ausgestrahlte ZDF-Magazin-Royale-Beitrag richtete sich gegen Oliver Fletcher, den Betreiber von Clownswelt. Statt seine Reichweite zu schwächen, führte die Berichterstattung zu einem dramatischen Anstieg seiner Zuschauerzahlen. Mittlerweile verzeichnet der Kanal monatlich zwischen fünf und zehn Millionen Aufrufe – ein Wert, der ähnliche Formate wie EinProzent oder Max Ott bei Weitem übertrifft, die deutlich langsamer wachsen.
Rechtliche Bedenken kamen schnell auf. Der Medienanwalt Christian Solmecke wies darauf hin, dass Böhmermann und der Zeit-Online-Journalist Christian Fuchs möglicherweise gegen §126a des Strafgesetzbuchs verstoßen hätten, indem sie private Details über Fletcher öffentlich machten. Fuchs verteidigte die Recherche und betonte, dass nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht worden seien, um die Privatsphäre des YouTubers zu schützen.
Die Kritik beschränkte sich jedoch nicht auf juristische Debatten. Nutzer in sozialen Medien forderten als Vergeltung die Veröffentlichung der Privatadressen von Böhmermann und Fuchs. Zudem wurde öffentlichen Rundfunkanstalten wie dem ZDF vorgeworfen, sie trügen zur politischen Polarisierung bei, statt sie einzudämmen.
Der Fall erinnert an langjährige Taktiken linker antifaschistischer Gruppen, die wiederholt private Lebensumstände rechtsextremer Akteure recherchieren und öffentlich machen. Unterdessen generiert Fletchers Kanal weiterhin Werbeeinnahmen – und dank der gestiegenen Reichweite dürften diese weiter steigen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hinterfragte, ob der YouTuber überhaupt als "rechtsextrem" oder "faschistisch" einzustufen sei, und verwies auf fehlende konkrete Belege im Beitrag.
Nicht nur scheiterte der ZDF-Beitrag daran, Fletchers Plattform zu schwächen – er trug aktiv zu ihrem Wachstum bei. Mit mittlerweile über 384.000 Abonnenten hat der Kanal seinen Einfluss deutlich ausgebaut. Die Affäre hat zudem die Debatte über Medienverantwortung, das öffentliche Bloßstellen von Personen und die unbeabsichtigten Folgen solcher Kampagnen neu entfacht.






