Willich baut Kita-Angebot um: Schließungen im Süden, Engpässe im Norden
Jonas GüntherWillich baut Kita-Angebot um: Schließungen im Süden, Engpässe im Norden
Willich gestaltet sein Kinderbetreuungsangebot angesichts veränderter Nachfrage in der Stadt neu. Während die nördlichen Stadtteile durch steigende Geburtenraten unter wachsendem Druck stehen, verzeichnen südliche Bereiche rückläufige Zahlen – mit der Folge, dass bis 2029 voraussichtlich 440 Plätze ungenutzt bleiben. Die Anpassungen umfassen Schließungen, Umzüge und eine Erweiterung, um das Angebot besser an den lokalen Bedarf anzupassen.
Die bedeutendste Veränderung betrifft die Kita St. Irmgardis: Die bestehende Einrichtung wird bis zum Ende des Kitajahres 2026/2027 geschlossen. Das Gelände wird anschließend an die Villa Kunterbunt verpachtet, die dort ab 2027/2028 ein Ganztagsangebot mit Mittagsverpflegung einrichten wird. Dieser Schritt folgt auf jahrelang sinkende Anmeldezahlen im Süden Willichs.
Die geplante Neubebauung der Kita Alperhof hingegen wird nicht umgesetzt. Stattdessen zieht die Einrichtung in das generationenübergreifende Projekt Reinershof um, während das alte Gebäude abgerissen wird. Die Entscheidung spiegelt Haushaltszwänge und die Strategie wider, Ressourcen zu bündeln.
In Schiefbahn erhielt die von der AWO betriebene Kita Blaues Haus eine letzte Verlängerung der freiwilligen Förderung bis zum 31. Juli 2027. Danach will die Stadt mit dem Träger über eine mögliche Schließung verhandeln. Auch das Übergangsprojekt Schatzkiste des DRK endet vorzeitig – und zwar bereits zum 31. Juli 2026.
Die Umstrukturierungen erfolgen vor dem Hintergrund, dass nördliche Stadtteile wie Anrath und Neersen seit 2020 einen Nachfrageanstieg von 15 bis 20 Prozent verzeichnen, mit Wartezeiten von bis zu sechs Monaten. Eltern dort kritisieren das fehlende lokale Angebot und warnen, dass dies junge Familien davon abhalten könnte, sich in der Region niederzulassen. Stadtvertreter und der Kirchenverband sicherten zu, im Dialog über weitere Anpassungen zu bleiben.
Bis 2029 rechnet Willich mit einem Überschuss von 440 Betreuungsplätzen – bedingt durch sinkende Geburtenraten und knappe Haushalte. Auf den Bau zweier neuer städtischer Einrichtungen wird verzichtet; stattdessen setzt man auf Verlegungen und Schließungen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Angebot und Nachfrage auszugleichen, hinterlassen aber in einigen Stadtteilen vorerst Lücken.