18 April 2026, 20:17

Karenztage oder Vertrauen? Wie Unternehmen die Krankheitsdebatte neu denken

Plakat mit hellblauem Hintergrund, das eine Gruppe von Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und Ethnien zeigt, mit fetter schwarzer Schrift, die "Dreifache Anzahl von Gemeindegesundheitsjobs" in der Mitte des Bilds anzeigt.

Karenztage oder Vertrauen? Wie Unternehmen die Krankheitsdebatte neu denken

Die wachsende Debatte über Reformen der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bringt deutsche Unternehmen dazu, ihre Arbeitsplatzrichtlinien zu überdenken. Statt Leistungen zu kürzen, setzen viele nun auf Vertrauen und bessere Arbeitsbedingungen. Ausgelöst wurde die Diskussion durch Vorschläge, die sogenannten Karenztage – Tage ohne Krankengeld – wieder einzuführen, was sowohl von Gesundheitsexperten als auch Politikern scharf kritisiert wird.

Die Idee der Karenztage kam Anfang dieses Jahres wieder auf, als der FDP-Politiker Carl-Julius Cronenberg vorschlug, ab 2025 bis zu drei unbezahlte Krankheitstage einzuführen. Rechtliche Hürden stehen dem jedoch entgegen, da eine solche Änderung einen neuen gesetzlichen Rahmen erfordern würde. Der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, lehnte den Vorschlag umgehend ab und warnte, dies könnte Arbeitnehmer benachteiligen.

Eine Studie des ZEW Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2024 brachte die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall mit einem Anstieg kurzfristiger Fehlzeiten in Verbindung. Kritiker argumentieren jedoch, dass Kürzungen nach hinten losgehen würden. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse TK, behauptete, eine Reduzierung des Krankengelds würde Krankheiten nur hinauszögern und langfristige Fehlzeiten verschlimmern. Seine Position deckt sich mit einer eigenen TK-Studie, in der zwei Drittel der Befragten eine Kürzung der Lohnfortzahlung ablehnten.

Unterdessen lenkte die Personalexpertin Magdalena Rogl den Fokus weg von finanziellen Sanktionen. Sie betonte, dass das Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitenden eine weitaus größere Rolle bei der Steuerung von Fehlzeiten spiele. Das Arbeitsministerium von Nordrhein-Westfalen unterstützte diese Haltung und wirbt für eine Unternehmenskultur, die Gesundheit und Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellt. Viele Unternehmen setzen diesen Ansatz bereits um und investieren lieber in bessere Arbeitsbedingungen als in Strafmaßnahmen.

Die politische Debatte hat die Wirtschaft dazu veranlasst, nach Alternativen zu den Karenztagen zu suchen. Da rechtliche Hindernisse bestehen und sich Gesundheitsbehörden vehement dagegen aussprechen, liegt der Schwerpunkt weiterhin auf der Förderung von Vertrauen und präventiven Gesundheitsmaßnahmen. Vorerst scheinen Reformen der Lohnfortzahlung unwahrscheinlich, da Unternehmen und Politiker langfristige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen priorisieren.

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