26 April 2026, 12:21

Kölner Archiv-Einsturz 2009: Wie ein Bauunglück die Stadt für immer veränderte

Schwarzes und weißes Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das Gebäude, Strommasten, Rauch und einen Hügel im Hintergrund zeigt, mit Text am unteren Rand.

Kölner Archiv-Einsturz 2009: Wie ein Bauunglück die Stadt für immer veränderte

Ein Bauunglück in Köln vor 15 Jahren zerstörte das historische Stadtarchiv und forderte zwei Menschenleben. Der Einsturz der unterirdischen Baustelle ließ eine benachbarte Kirche absacken – seither trägt sie den Spitznamen Kölner Schiefer Turm. Jahre lang zogen sich juristische Auseinandersetzungen um den Vorfall hin, bis sie 2024 schließlich ohne abschließende Klärung endeteten.

Das Unglück ereignete sich 2009 während des Baus der Nord-Süd-Stadtbahn. Das Kölner Stadtarchiv, in dem 1,7 Millionen Dokumente aus über 1.000 Jahren Geschichte lagerten, versank in einem Grundwasserkrater. Zwei junge Männer, die in angrenzenden Häusern lebten, kamen ums Leben, als der Boden unter ihnen nachgab.

Rettungskräfte brauchten Monate, um zerfetzte Papiere zu bergen, die in 20 Notlagern zwischengelagert wurden. Einige Fragmente wurden erst 2010 gefunden. Der Einsturz beschädigte zudem die Kirche St. Johann-Baptist so schwer, dass sie bis heute schief steht.

Spätere Ermittlungen brachten ans Licht, dass kritische Stahlträger vor dem Unglück gestohlen und als Schrott verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung mit derart großen Projekten verfügten, hatten die Bauarbeiten überwacht. Es folgten juristische Verfahren, doch Verurteilungen und Freisprüche zogen sich über Jahre hin. 2024 wurde das Verfahren schließlich wegen Verfahrensfehlern und nachlassendem öffentlichen Interesse eingestellt.

Die Baustelle selbst ist bis heute unvollendet. Eine 2023 aufgetragene provisorische Betonfüllung prägt nun als Sandhügel mit wildem Gestrüpp das Gelände. Bald soll sie entfernt werden, um die Stadtbahnarbeiten fortzusetzen – mit dem Ziel, die Fahrzeit um acht Minuten zu verkürzen. Unterdessen kämpft die Aktivistengruppe ArchivKomplex seit 2011 für Mitsprache bei der Neugestaltung des Geländes und eine würdige Gedenkstätte für die Opfer.

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Der Einsturz des Kölner Archivs hinterließ tiefe Spuren in der Stadt. Zwei Menschen verloren ihr Leben, unersetzliche historische Zeugnisse gingen verloren, und eine Kirche steht noch immer schief als stummer Mahner. Mit dem Ende der juristischen Aufarbeitung und der Fortsetzung der Bauarbeiten bleibt die Zukunft des Ortes eng mit dem Stadtbahnprojekt verknüpft – und mit den Forderungen derer, die nicht vergessen wollen.

Quelle